Ein Tag voller Genuss. Für dich. Für Berlin.

Hintergrund

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Der übermäßige Verzehr tierischer Produkte ist für eine Vielzahl aktueller Bedrohungen und Probleme in hohem Maße mitverantwortlich. Informieren Sie sich im Folgenden über die Hintergründe und die Motivation der Kampagne Donnerstag ist Veggietag.

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Klima und Umwelt

Die industrielle Fleischproduktion verursacht Umweltschäden in beträchtlichem Ausmaß. Eine Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) lieferte unter anderem folgende Erkenntnisse: Die Viehwirtschaft zählt zu den Branchen, die am meisten zu den ernsthaften Umweltproblemen beitragen. Dies gilt sowohl lokal als auch global. Die Erzeugung von Fleisch ist der Hauptgrund für die Abholzung des Regenwaldes beispielsweise in Südamerika. Jährlich wird dabei eine Fläche von der Größe Belgiens vernichtet. Weltweit verursacht die Fleischproduktion 18 Prozent aller Treibhausgasemissionen. Klimawandel und Luftverschmutzung, Wasserknappheit und -verschmutzung sowie Biodiversitätsverluste sind auf die industrielle Massentierhaltung und Fleischproduktion zurückzuführen. Aus diesem Grund muss die Regulierung der Viehwirtschaft einerseits zu einem der politischen Schwerpunkte und andererseits die Etablierung eines neuen Ernährungsbewusstseins zum zivilgesellschaftlichen Anliegen gemacht werden.

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1 FAO: Livestock’s long shadow – environmental issues and options, Rom 2006 (Quelle: ftp://ftp.fao.org/docrep/fao/010/A0701E/A0701E00.pdf)
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Gesundheit

Der Fleischkonsum ist in Deutschland mit ca. 90 kg pro Kopf und Jahr etwa dreimal so hoch, wie ernährungsphysiologisch sinnvoll wäre.1 Dabei ist der übermäßige Verzehr tierischer Produkte nachweislich mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sowie für Übergewicht, Diabetes mellitus und einige Krebsarten mitverantwortlich. In Deutschland sind bereits zwei Drittel der Männer und jede zweite Frau übergewichtig.2 Kardiovaskuläre Erkrankungen sind mit 49 Prozent die häufigste Todesursache in Europa. Die verursachten volkswirtschaftlichen Schäden sowie die Kosten für eine Behandlung belaufen sich jährlich auf 169 Milliarden Euro.3 Die Ernährungsgewohnheiten spielen eine entscheidende Rolle hinsichtlich der Prävention dieser Krankheiten. Einer Studie der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (WHO)4 zufolge, kann eine Senkung der Zufuhr von gesättigten Fettsäuren um nur ein Prozent jährlich 13000 Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Europa verhindern.

Der umfassende präventive Arzneimitteleinsatz in der industriellen (Geflügel-)Fleischproduktion ist darüber hinaus verantwortlich für die Entstehung von Antibiotika-resistenten Keimen. Die Verbreitung gefährlicher und schwer zu behandelnder Infektionskrankheiten hängt demnach ebenso wie die Verbreitung gefährlicher Tierseuchen mit der Massentierhaltung zusammen.5

Der Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen in der Futtermittelindustrie birgt darüber hinaus Risiken, die wir noch nicht ansatzweise abschätzen können.

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1 Foodwatch: Haltungsbedingungen sind tierquälerisch (Quelle: http://foodwatch.de/kampagnen__themen/tierhaltung/index_ger.html)

2 Max Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel: Nationale Verzehrsstudie II, Ergebnisbericht Teil 2 (Quelle: http://www.was-esse-ich.de/uploads/media/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf)

3 Stockholm Network Report: Ergebnisse (Quelle: http://www.lipid-liga.de/pdf/presseinfo_060801.pdf)

4 WHO: Global strategy on diet, physical activity and health – obesity and overweight (Quelle: http://www.who.int/dietphysicalactivity/publications/facts/obesity/en/)

5 Hucklenbroich, Christina (FAZ.net): Antibiotika-Resistenzen – Ein Huhn kommt selten allein (Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/antibiotika-resistenzen-ein-huhn-kommt-selten-allein-11607307.html)
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Ernährungssicherheit

In der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wird jedem Menschen das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard einschließlich Nahrung zugesprochen. Es liegt sowohl in der politischen Verantwortung als auch in der Macht des Einzelnen zur nachhaltigen Hungerbekämpfung beizutragen.

Ungefähr eine Milliarde Menschen weltweit hungern. 50 Prozent der Weltbevölkerung sind durch den Klimawandel von Hunger bedroht. Zur Produktion eines einzigen Kilogramms Fleisch, werden acht Kilogramm Getreide verfüttert. Wenn daraus direkt Lebensmittel hergestellt werden würden, könnten 30 Menschen satt werden. Der Kalorienverlust, bedingt durch die Verfütterung von Getreide an Tiere, entspricht dem jährlichen Bedarf von 3,5 Milliarden Menschen. Die Fleischproduktion benötigt außerdem eine enorme Menge Wasser. So werden zur Erzeugung eines einzigen Kilogramms Fleisch 15500 Liter Wasser benötigt.1

Weitere Folgen sind die stetig steigenden Nahrungsmittelpreise sowie das sogenannte „land grabbing“, bei dem vor allem Kleinbauern das von ihnen bestellte Land zur Futtermittelproduktion entzogen wird.2 Die hohe Nachfrage nach Fleisch macht Getreide für die Ärmsten unbezahlbar. Die globale Nutzung des vorhandenen Ackerlands und der Wasservorräte erfolgt durch die hohe Fleischnachfrage insbesondere in Europa und Nordamerika angesichts der benötigten Menge an Nahrung nicht mit der eigentlich möglichen und notwendigen Effizienz. Die Frage der Ernährung ist damit auch eine Frage der Gerechtigkeit.

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1 Water Footprint Network: Beef (Quelle: http://www.waterfootprint.org/?page=files/productgallery&product=beef)

2 öko-fair: Fleisch und Hunger (Quelle: http://www.oeko-fair.de/clever-konsumieren/essen-trinken/fleisch/fleisch-und-hunger)
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Tierethische Aspekte

Das idealisierte Bild eines idyllischen Bauernhofes, wie wir es nach wie vor in illustrierten Kinderbüchern finden und das weiterhin in Werbekampagnen benutzt wird, hat oft nichts mehr mit der Realität der Nutztierhaltung zu tun. Laut einer Forsa-Studie sprechen sich etwa Dreiviertel der deutschen Bevölkerung für ein Tierwohllabel aus.1 Dies verdeutlicht das Unbehagen, das viele Menschen angesichts der gegenwärtigen Umstände in der Massentierhaltung verspüren. Den natürlichen Bedürfnissen der betroffenen Tiere werden diese Umstände in keiner Weise gerecht. Auf engstem Raum gehalten, entwickeln die Tiere häufig schwerwiegende Verhaltensstörungen, die zu Aggressionen und Kannibalismus untereinander führen können. Zur Verhütung haltungsbedingter Verletzungen, werden den Tieren oftmals ohne Betäubung schmerzhaft Hörner, Zähne, Schwänze und Schnäbel entfernt oder gekürzt.

Häufig können selbst mit Siegeln und Prüfzeichen versehene Produkte wirklich bessere Tierschutzstandards nicht garantieren, solange niemand deren Einhaltung kontrolliert. Beispielsweise bestehen die höheren Standards in der Bio-Fleischproduktion darin, den Tieren ein wenig mehr Platz und Stroh zu gewähren. Viele andere Kritikpunkte der industriellen Fleischproduktion bleiben dabei jedoch unangetastet. Dies gilt für die Überzüchtung von Tierrassen, die Selektion und Tötung männlicher Küken bei der Eierproduktion sowie die mangelhafte Betäubung bei der Schlachtung.2 Die Hoffnung auf eine Verbesserung der Zustände durch freiwillige Selbstverpflichtungen der Produzenten erscheint vor diesem Hintergrund mehr als naiv.

Die persönliche Entscheidung für eine vermehrt pflanzenbasierte Ernährung, schafft Fakten und erhält damit auch eine ethische Dimension.

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1 Top Agrar: forsa-Studie: Verbraucher fordern Tierwohllabel (Quelle: http://www.topagrar.com/news/Schwein-News-forsa-Studie-Verbraucher-fordern-Tierwohl-Label-718240.html)

2 Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt: Schweinemast (Quelle: http://albert-schweitzer-stiftung.de/tierschutzinfos/massentierhaltung/schweinemast)
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